27. Okt. 2017

Gemälde einer lagernden Karawane mit Dromedaren von Walter Heubach (1865–1923).

Direkt unter uns befindet sich ein riesiges Archiv, eine Art Bibliothek. Geographen und Bodenkundler können anhand von Bodenproben oder Gegenständen, die sie tief in der Erde finden, untersuchen, wie Menschen vor vielen Jahren gelebt haben, wie ausgestorbene Tiere aussahen oder welches Klima früher geherrscht hatte. Das Prinzip ist ganz einfach: Wenn Forscher zum Beispiel in einer 28.000 Jahre alten Erdschicht Gegenstände finden, haben diese in der Regel dasselbe Alter.

Dr. Dana Pietsch von der Universität Tübingen arbeitet in einem Oasengebiet am Arabischen Meer im Jemen. Pietsch ist Archäologin. Das sind Bodenkundler, die sich für die Vergangenheit des Menschen interessieren. Archäologen beschäftigen sich mit Ausgrabungen von Gegenständen und Gebäuden. In den Böden lassen sich erste Steinwerkzeuge von vor 2,5 Millionen Jahren finden oder auch ganze Städte, die bei Vulkanausbrüchen versunken sind.

Arbeitsplatz der Archäologen: Hier wird gerade ein Haus ausgegraben.
Bild: CC0
Ausgrabungsort: Dinoforscher suchen nach Überresten der Urzeitechsen.
Bild: Mario modesto/CC0
Eine Eiskernprobe aus einer Bohrung.
Bild: CC0
In einem Eiskern stecken viele Informationen über das vergangene Klima.
Bild: Eli Duke/CC BY-SA 2.0

Wie lebten die Menschen im Jemen?

Obwohl der Jemen wegen möglichen Terroranschlägen und Entführungen als gefährlich gilt, geht Dana Pietsch ihrer Arbeit mit Begeisterung nach. Sie gräbt derzeit einen 3000 Jahre alten Tempel aus, der damals von Sabäern gebaut wurde. Die Sabäer waren ein reiches antikes Handelsvolk, das im zweiten Jahrtausend vor Christus im Gebiet des heutigen Jemen lebte. Anhand von Untersuchungen des alten Tempels kann die Archäologin die Lebensweise der Sabäer erforschen. 

Dana Pietsch möchte herausfinden, wann die Menschen damals erstmals ihre Felder bewässerten. Sie erforscht deshalb, wie sich die Böden durch ihre unterschiedliche Nutzung mit den Jahren veränderten. Anfangs zogen Menschen nämlich in kleinen Gruppen jeweils von einem Ort zum nächsten. Sie waren sogenannte Nomaden und erkannten erst mit der Zeit, dass man auch an einem Ort bleiben konnte, wenn man sich Bewässerung und Ackerbau zunutze machte.

Wurzelbahnen und Steine erzählen Geschichten

Pietsch ist mit ihrem Team bei den Ausgrabungen auf  kalkverkrustete ehemalige Wurzelbahnen gestoßen. Dies sind Hinweise darauf, dass in diesem Gebiet Pflanzen angebaut und der Boden bearbeitet wurde.

Durch Ausgrabungen haben die Wissenschaftler außerdem herausgefunden, dass schon um 1200 vor Christus ein riesiger Staudamm im Jemen erbaut wurde. Diese Erkenntnisse werfen allerdings neue Fragen auf: Warum war damals eine so großflächige Bewässerung notwendig? Wuchsen die Bevölkerung und die Größe der Karawanen in der Antike so stark an, dass große Mengen Getreide produziert werden musste? Die Forscher wollen auch herausfinden, wann es an diesem Ort Steinhäuser, Tempel oder Turmgräber gab. Diese Frage lässt sich mit einem Trick beantworten: Die Wissenschaftler messen nämlich, wann bestimmte Körner aus dem Boden, die in der Nähe von alten Steinen der Ruinen liegen, zuletzt dem Sonnenlicht ausgesetzt waren.

Klima in der Tiefe

Auf ähnliche Weise untersuchen Archäologen auch, wie das Klima vor Tausenden von Jahren auf der Erde war. Sie bohren tief in die Erde und untersuchen die Erdschichten, die damals freilagen. An Kalkschalen oder Algen aus den Bohrkernen lässt sich ablesen, welche Klimaverhältnisse zu einer bestimmten Zeit herrschten.

Ein besonderer Glücksfall für die Klimaforschung ist der Fund von Luftblasen im Eis. Die Luft wurde eingeschlossen, als sich Schnee zu Eis wandelte. Um diese Blasen zu finden, bohren Forscher nicht irgendwo im Schnee, sondern gehen dahin, wo das Eis schon seit über 2000 Jahren liegt –  etwa in Spitzbergen, nördlich von Skandinavien. Wer tief bohren will, muss sich aber warm anziehen, denn dort herrschen eisige minus 30 Grad.