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Das Jahrhundert der Megastädte

Stell dir vor, du krabbelst als Ameise durch einen riesigen Ameisenhaufen. Wie Millionen von den kleinen Krabbeltierchen auf so engem Raum leben können, ist faszinierend und rätselhaft zugleich. Die Menschen, die in Megastädten leben, können sich aber heute vermutlich schon sehr gut in die Ameisen hineinversetzen.

Das alte Köln (Colonia Agrippina) zwischen 1572 und 1618 (Bild: Wikimedia).

Vor vielen Jahrhunderten lebte nur eine kleine Minderheit der Menschen in meist von einer kleinen Mauer umgrenzten Städten. Über die Mauer ragte mancherorts ein zierlicher Kirchturm. Es gab einen Bäcker, das Rathaus und  ein kunstvoll geschwungenes Stadttor. Die meisten Leute wohnten damals dort, wo manch einer heute wieder hin flüchten will: auf dem Land. 

Mehr als zehn Millionen Menschen auf einem Fleck

Megastädte aus dem Weltraum. Gut erkennbar: Die meisten Städte entstehen an den Küsten (Bild: NASA.) Ballungsraum mit 35 Millionen Einwohnern: Tokio bei Nacht (Bild Wikimedia). Shanghais futuristischer Wirtschaftsdistrikt Pudong ist so etwas wie die Visitenkarte des modernen Chinas (Bild: Hector Garcia).

Im Jahr 2007 lebte zum ersten Mal mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung in Städten. Schon bald wird es wohl 50 Städte mit mehr als 10 Millionen Einwohnern geben. Von Städten kann dann kaum noch die Rede sein, sondern eher von Megastädten. Die Stadt Mumbai in Indien beherbergt zum Beispiel heute schon 18 Millionen Menschen. Durch den Trend, vom Land in die Stadt zu ziehen, werden Städte wie Karachi, Kalkutta, Mumbai oder Schanghai bald um die 20 Millionen Einwohner haben.

Die einzige Megastadt in Europa ist Moskau mit 10,5 Millionen Einwohnern; Paris und London könnten in Zukunft folgen. In Deutschland wird es eine Megastadt auf absehbare Zeit nicht geben, die größte deutsche Stadt Berlin hat „nur“ rund 3,4 Millionen Einwohner.

 

Armutsviertel so groß wie eigene Städte

Dharavi ist von Mumbais Slums noch einer der besseren (Bild: Wikimedia).

In Megastädten gibt es oft auch riesige Elendsviertel. Diese überbevölkerten Stadtteile werden von sehr armen Leuten bewohnt, die häufig als Zuwanderer in die Stadt gekommen sind. Die Viertel erkennt man meist an unzähligen Wellblechhütten und niedrigen Häusern. Umgangssprachlich nennt man einen solchen verwahrlosten und verfallenden Stadtteil auch Slum. In Lateinamerika sagt man dazu Favela.

Eine Million Menschen leben in Kibera auf 2,5 Quadratkilometern (Bild: Wikimedia/Genvessel).

 

Der größte Slum in der indischen Megacity Bombay ist Dharavi. Wo vor 100 Jahren Fischer noch ihre Netze auswarfen, erstreckt sich heute ein graues Wellblechmeer. Auf einem ehemaligen Mangrovensumpf leben dort eingepfercht zwischen zwei Eisenbahnlinien rund eine Million Menschen – so viele wie in Deutschlands viertgrößten Stadt Köln insgesamt. Rechnet man alle Armutsviertel der indischen Metropole zusammen, leben dort bereits mehr Menschen als in ganz Norwegen.

 

iserundschmidt/SK