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Der Mensch - ein Kind des Klimawandels

Die Wiege der Menschheit liegt in Afrika. Vor ungefähr 7 Millionen Jahren geschah dort etwas Unglaubliches: Primaten, also affenähnliche Tiere, wagten den ersten Schritt in Richtung Menschsein. Sie begannen aufrecht zu gehen. Warum blieben sie nicht in den Baumwipfeln wie ihre Brüder und Schwestern? Wieso setzten sie sich den Gefahren auf dem Boden aus und zogen es vor, zwei Beinen durch Graslandschaften zu tapsen? Forscher haben herausgefunden, dass der Grund für diese ungewöhnliche Entwicklung eine Folge von zufälligen geologischen Störungen war.

Die Welt der ersten Menschen: Sattgrünes feuchtes Dickicht, viel Regen und Ruwenzori-Gebirge gab es noch nicht  (Bild: Wikipedia).Das Gebiet in dem unsere Vorfahren ihre ersten Schritte Richtung Menschwerdung gingen, liegt in Afrika auf der Grenze zwischen Uganda und Kongo, in einem Gebiet, wo sich heute das Ruwenzori-Gebirge auftürmt. Über tausende Kilometer in alle Himmelsrichtungen erstreckte sich vor etwa 7 Millionen Jahren um diese Region herum dichter tropischer Regenwald. Das Ruwenzori-Gebirge gab es damals allerdings noch gar nicht. Afrika war ein sumpfiges Dickicht; ein dichter modriger Regenwald mit kleinen Wasserfällen. Baumriesen, umschlungen von Lianen, wuchsen 50 bis 60 Meter in den Himmel.

Höllenheißes Gestein drückte in Afrika von unten gegen die Erdkruste (Bild: Flickr).

Keiner der dort lebenden Primaten ahnte, dass unter ihren Füssen einer der entscheidenen Schlüssel zur Menschwerdung schlummerte: Das Gebiet lag auf einer Bruchstelle in der Erdkruste, an der Gesteinsschichten von Urkräften aus dem Erdinneren gegeneinander verschoben wurden. Höllenheißes Gestein drückte von unten gegen die Erdkruste. Diese wölbte sich, riss auf und langsam schraubte sich das Ruwenzori-Gebirge mit über 5000 Metern wie eine Theaterbühne in den Himmel. Selbst die höchsten Gipfel der Alpen übertreffen nicht diese Dimensionen. Doch für das, was nun folgte, könnte gerade diese Höhendifferenz den entscheidenen Ausschlag gegeben haben.

Ein Bergkoloss wächst in den Himmel

Das Ruwenzori-Gebirge ist mit bis zu 5.109 m  heute noch das dritthöchste Gebirge Afrikas (Bild:Wikipedia).

In den folgenden Jahrmillionen erwies sich das Ruwenzori-Gebirge als eine Art Regenbarriere. Es verhinderte den Zug der Wolken und den Nachschub an Feuchtigkeit für das restliche östliche Afrika.
Der fehlende Regen im Inland und ein ohnehin global eintretender Klimawandel führte dazu, dass Afrika trockener wurde. Wälder gingen zurück und offene Savannen mit vereinzelten Bäumen breiteten sich aus.

Die Welt der ersten Menschen: Offene Flächen, Wälder und Sümpfe waren bevölkert von exotischen Tierarten (Bild: NATURE/Ahob John Sibbick).

Aus dem afrikanischen Dickicht wurde eine Graslandschaft mit Flüssen und Seen. Nur dort, wo das Gebirge war, blieb tropischer Regenwald bestehen. Im Umland setzte der Takt der Jahreszeiten ein. In dieser zerütteten Landschaft tauchten plötzlich sonderbare Erdbewohner auf. Diese Welt war der Schauplatz einer revolutionären Erfindung: ein auf zwei Beinen laufender Primat, der später einmal Flugzeuge erfinden und Liebesgedichte schreiben würde.

Steh gerade und geh…

Zutaten für die Entstehung des Menschen: Ein hohes Gebirge, wenig Regen und weite Graslandschaften (Bild: iserundschmidt/SK/MD)Am Fuße des Ruwenzori-Gebirge muß es geschehen sein, dass unsere Vorfahren aus den Baumwipfeln des Regenwaldes herauskletterten und immer mehr Zeit am Erdboden verbrachten. Um von einer bewaldeten Fläche zur nächsten zu gelangen, stellte sich der aufrechte Gang als viel praktischer heraus.

 

Schneller und ernergiesparender konnten die Primaten so längere Strecken überwinden.Ein Gorillaweibchen übt sich im Laufen auf zwei Beinen (Bild: Wikipedia).

Deshalb veränderte sich mit der Zeit auch deren Anatomie: Zum Beispiel wurde die Wirbelsäule S-förmig, um den Gang auf zwei Beinen besser abfedern zu können. Die aufrechte Körperhaltung hatte auch andere Vorteile in den weiten schattenlosen Graslandschaften. Weniger Köperfläche war nun der heißen afrikanischen Sonne ausgesetzt und das verschaffte unseren Vorfahren eine besser Kühlung.

Wahrscheinlich trug auch ein Engpass bei der Nahrungsbeschaffung zu einem dauerhaften Gang auf zwei Beinen bei: Als die Wälder schwanden, wurden Früchte und Samen rar. Auf der Suche nach eiweißhaltigen Muscheln und Algen, mussten sie aufrecht und ausdauernd durch Flüsse und Seen waten und aus affenähnlichen Primaten wurden sogenannte Hominiden, auf zwei Beinen laufende Vorfahren des Menschen.
Wir Menschen sind nicht nur ein Ergebnis einer viele Millionen Jahre andauernden Entwicklung, sondern wir sind auch Nachfahren eines Klimawandels in Afrika.

 

iserundschmidt/SK