27. Okt. 2017

Die Maya schafften es, riesige Pyramiden zu bauen, ohne das Rad zu kennen. Hier eine Pyramide in Chacchoben.

Nicht nur die Ägypter konnten Pyramiden bauen. Auch das mittelamerikanische Volk der Maya beherrschte diese Kunst. In ihrer Blütezeit um 950 nach Christus stellten die Maya eine mächtige Hochkultur dar, die noch bevor die Europäer sie entdeckten, auf rätselhafte Weise unterging.

Neben dem anspruchsvollen Bau der Pyramiden waren sie auch Meister der Mathematik, entwickelten einen komplizierten Kalender und  hinterließen wunderschöne Malereien. Als die Europäer um das Jahr 1500 nach Christus dieses faszinierende Volk entdeckten, fiel ihnen jedoch schnell auf, dass die Maya einige wichtige kulturelle Schritte noch nicht gemacht hatten. So verstanden es die Maya beispielsweise nicht, sich Lasttiere zu Nutze zu machen. Auch das Rad, obwohl ihnen prinzipiell bekannt, verwendeten sie nicht als Hilfsmittel für Transporte.

Zwar wussten sie schon, wie man Metalle verarbeitet; sie waren jedoch nicht auf die Idee gekommen, daraus Waffen oder Werkzeuge herzustellen. Die Europäer hingegen verfügten bereits über Schwerter, erste Feuerwaffen, Reitpferde, Transportsysteme mit Rädern und Schiffen. Aber warum waren die Europäer damals so viel weiter entwickelt als die Maya und warum gehörten die Europäer zu den höchst entwickelten Völkern der Erde?

Die Maya lebten in Süd- und Südostmexiko (Yucatán) sowie in Teilen von Guatemala, Honduras und Belize.
Bild: Nepenthes
Pyramide des Zauberers in Uxmal.
Bild: Wolfgang Sauber/CC BY-SA 3.0
Das Ballspiel der Maya: Pok Ta Pok.
Bild: Angelaptero2
Ein Getreidefeld im Sommer: Die meisten Getreide- und Gemüsesorten sind keine wilden Gewächse, sondern wurden - wie unsere Haus- und Nutztiere - über viele Generationen herangezüchtet.
Bild: Schäfer
Mitten im Regenwald in Südamerika stehen die Bauten der Maya. Auf diesem Platz, |dq|Chichen Itza|dq|, übten die Maya ihr bedeutendes Ballspiel Pok Ta Pok.
Bild: Martinelli95
Die Blütezeit der Maya war schon vorbei, als die spanischen Eroberer eintrafen.
Bild: P. Kern

Die Entwicklung der Völker

Anfangs waren alle Völker auf dem gleichen kulturellen Stand. Überall waren die Menschen Jäger und Sammler. Ausschlaggebend für die unterschiedliche Entwicklung zwischen Europäern und den Bewohnern anderer Kontinente waren schließlich drei Faktoren: Erstens gab es in Europa eine Menge Tiere, die der Mensch sich über Generationen hinweg zu nützlichen Haustieren züchtete. Die bekanntesten dieser sogenannten domestizierbaren Tiere sind Kuh, Schwein, Ziege, Zugochse und Reitpferd.

Mit dem Reitpferd konnten beispielsweise Nachrichten schnell und über weite Strecken verbreitet werden. Somit konnten unsere Vorfahren viel besser untereinander kommunizieren als die Völker in Afrika oder Amerika. Genauso domestizierten die Europäer schon früh bestimmte Pflanzen. Viele Getreide- und Gemüsesorten sind keine wilden Gewächse, sondern wurden über viele Generationen herangezüchtet.

Zum Vergleich: Die Ureinwohner Australiens hatten in ihrer Entwicklung nur eine einzige Pflanze domestiziert: die Macadamia-Nuss. Drittens war Europa die größte zusammenhängende Landmasse mit klimatisch menschenfreundlicher Umgebung. So konnten viele Menschen über sehr weite Strecken miteinander Kontakt halten, Ideen und Nachrichten austauschen – und damit das Tempo der kulturellen Entwicklung gehörig antreiben.

Nahrungsmangel und Überbevölkerung bei den Maya

Wer nun denkt, die Maya hätten friedlich im Einklang mit der Natur gelebt, bevor die Europäer kamen, der irrt gewaltig. Obwohl das mittelamerikanische Volk in vielen Dingen kulturell rückständiger als die Europäer war, hatte es schon früh in sehr intensiver Form Landwirtschaft betrieben. Dies war auch notwendig, denn die Maya-Bevölkerung wuchs ständig, in ihrer Blütezeit mussten 13 Millionen Menschen ernährt werden.

Noch bevor die ersten Europäer kamen, brach diese Gesellschaft jedoch zum größten Teil wieder zusammen.
Forscher können auch heute noch nicht richtig erklären, warum eine solch prächtige Hochkultur plötzlich wieder verschwand.

Einige vermuten, Bürgerkriege unter den Maya hätten zu einem enormen Bevölkerungsrückgang geführt. Andere behaupten, der Zusammenbruch der Maya-Gesellschaft sei auf lang anhaltende Dürreperioden zurückzuführen. Manche Wissenschaftler meinen, dass es nicht genügend Ackerfläche im Verhältnis zur stark angewachsenen Bevölkerung gegeben hätte. Neueste Forschungsergebnisse haben nun bestätigt, dass tatsächlich die Überbevölkerung der Maya zu einer Zerstörung der Böden geführt hat und damit auch zum Untergang der Hochkultur beitrug. Die Maya betrieben eine Form des Ackerbaus, bei der die Fläche regelmäßig brachliegen musste. Die Felder durften also eine längere Zeit nicht bestellt werden, um wieder an Nährstoffen zu gewinnen.

Um 13 Millionen Menschen zu ernähren, konnten die Maya diesen Zyklus irgendwann aber nicht mehr einhalten. Die Böden laugten aus, wurden verstärkt von Wind und Wetter zerstört und waren am Ende nur noch eine dünne nährstoffarme Schicht. Obwohl die Maya schon längst Vergangenheit sind, stehen an vielen Orten der Erde ihre Bewohner wieder vor denselben Problemen. Zu vielen Menschen steht nur eine geringe Zahl fruchtbarer Böden zur Verfügung. Intelligente Lösungen sind gefragt, denn unsere Erdbevölkerung wächst ständig – besonders dort, wo Anbauflächen und Nahrung knapp sind.