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Mensch und Technik

Schicker Neandertaler

Der Ursprung der Menschheit liegt in Afrika. Forscher haben mittlerweile durch Untersuchung unserer Gene herausbekommen, dass wir alle vermutlich von einer einzigen Afrikanerin abstammen, die vor 170.000 Jahren gelebt haben soll. Genetisch gesehen sind wir eigentlich alle Afrikaner. Doch wie wurden die Afrikaner zu Europäern? Und welche Rolle spielte der Neandertaler?

Vor etwa 1,7 Millionen Jahren verließen unsere Vorfahren erstmals den schwarzen Kontinent. Sie wanderten über viele Jahre und Generationen bis nach Asien und Europa. Solche Auswanderungswellen gab es noch einige Male. Und so kam es, dass vor rund 160.000 Jahren das erste Mal in Europa ein Urmensch auftauchte, den wir heute Neandertaler nennen.

Karte über die Ausbreitung des modernen Menschen von Afrika über Asien nach Australien (Bild: Wikipedia).

 

Keine Schönheit, aber kräftig

Dieser war vermutlich aus heutiger Sicht nicht gerade eine Schönheit. Er war klein, gedrungen und kräftig und hatte dicke Wülste über den Augen. Außerdem war er ein zäher Bursche, angepasst an die harten Bedingungen der Steinzeit. Seine Kieferknochen waren auf zähes Fleisch eingestellt, seine Gelenke, Sehnen und Bänder viel dicker als unsere.

Neanderthaler im Neanderthal-Museum in Düsseldorf (Bild: Wikipedia).Dass wir heute ganz anders aussehen und der Neandertaler nicht zu unseren Vorfahren gehört, verdanken wir einer dritten Auswanderungswelle der Urmenschen aus Afrika. Vor etwa 100.000 Jahren verließ nämlich der moderne Mensch, der „Homosapiens“, Ostafrika und begann damit, dieganze Welt zu besiedeln – auch den Lebensraum des Neandertalers.
Vor knapp 50.000 Jahren kam der Homosapiens nach Europa und traf auf den schon hier lebenden Neandertaler. Zwei Weltenprallten aufeinander.

Auf der einen Seite stand der schlanke, höher gewachsene Homo sapiens mit hohem Schädel, flachem Gesicht und feineren Gesichtszügen. Auf der anderen Seite der untersetzte, grobschlächtige Neandertaler. Lange Zeit galt dieser für viele Forscher als primitiver Urmensch, der dem modernen Menschen nicht viel mehr als Körperkraft entgegenzusetzen hatte. Tatsächlich war es wohl so, dass der Homo sapiens dem Neandertaler in einem Konkurrenzkampf die Lebensgrundlage raubte, und ihn langsam verdrängte. Das Ende vom Lied: Vor 28.000 Jahren starb der Neandertaler schließlich aus.

Sinn für Schmuck und Kunst

Rekonstruktion eines Neandertalerkindes (Bild: Wikipedia).

Aber auch wenn der Neandertaler den Wettbewerb gegen den Homo sapiens verlor, ganz so primitiv, wie allgemein angenommen, war er wohl doch nicht. Zumindest scheint er eine künstlerische Ader und einen Sinn für das Schöne gehabt zu haben. Forscher entdeckten nämlich kürzlich in zwei verschiedenen Höhlen in Spanien Muschelschalen, die dem Neandertaler vermutlich als Schminkkoffer und Schmuck dienten. Die Schalen enthalten Spuren von roter und gelber Farbe, die nicht zufällig hineingeraten sein können.

Die entsprechenden Mineralvorkommen, die für die Farben nötig sind, liegen kilometerweit von den Fundorten der Muschelschalen entfernt. Die einzige mögliche Erklärung: Jemand hat die Farbe in den Muscheln aufbewahrt.

Versuchte der Neandertaler seine Artgenossen mit Schmuck zu beeindrucken? (Bild: iserundschmidt/SK)


Und das kann zu dieser Zeit aber nur der Neandertaler gewesen sein. Dieser hat die Muscheln möglicherweise auch als Schmuck verwendet. Eine der Schalen hatte nämlich ein Loch, so als hätte man sie an einer Schnur um den Hals getragen. Was aber bedeutet Farbe und Schmuck jetzt für unser Bild vom Neandertaler? Farbe und Schmuck verwendet man nicht ohne Grund, sondern um anderen Artgenossen zu gefallen, sich auszuzeichnen oder ihnen etwas mitzuteilen. Ein solches Verhalten setzt aber eine gewisse Intelligenz voraus, die man dem Neandertaler bisher nicht zugetraut hatte. Also auch wenn der Urmensch wohl nicht gerade ein Genie war, ganz so unkultiviert und minderbemittelt, wie man bisher dachte, war er wohl auch nicht.

iserundschmidt/SK

Wahre Feinschmecker

Was isst ein Neandertaler? (Bild: Stefan Scheer, Wikimedia Commons)Dasselbe gilt wohl auch für den Speiseplan des Neandertalers. In Zeiten der Nahrungsknappheit war er sicherlich nicht besonders wählerisch, wenn es aber die Möglichkeit gab, dann hat auch der Neandertaler für Abwechslung auf seinem Teller gesorgt.

Bisher hatten Forscher angenommen, dass der Neandertaler sich hauptsächlich von Wild ernährte. Bei Ausgrabungen in Höhlen wurden aber jetzt Überreste gefunden, die auf eine größere Abwechslung bei der Nahrungsaufnahme hinweisen: Muscheln, Fische, Vögel, Schildkröten, ja sogar Delfine und Robben standen beim Neandertaler auf der Speisekarte.
Auswahl auf der Speisekarte? (Bild: Denee, Wikimedia Commons)Scheinbar wussten die Urmenschen auch genau, wann und wo diese Tiere zu erlegen waren. Die Mahlzeiten wurden also nicht dem Zufall überlassen, sondern waren geplant. War die Jagd dann erfolgreich, wurde die Beute über dem Feuer zubereitet. Denn egal ob Fleisch oder Gemüse, die Neandertaler waren im Stande zu grillen und zu kochen.

Die Urmenschen, die im Gebiet des heutigen Deutschlands gelebt haben, hatten aber wohl keinen so umfangreichen Speiseplan. Die Funde der Archäologen stammen nämlich aus einem Höhlengebiet im Süden Spaniens, also direkt am Mittelmeer. Denn einen Delfin oder eine Robbe mitten auf dem Festland zu erlegen, war auch für den besten Neandertaler Jäger unmöglich.