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Mensch und Technik

Tiefentaucher aus Metall

Als im Jahr 1969 die ersten Menschen den Mond betraten, sah die ganze Welt dabei zu. Heute erinnert sich fast jeder an die Bilder und die ersten Schritte im grauen Staub unseres kleinen Begleiters. Doch nicht jede historische Reise ist so bekannt. Oder sagen euch die beiden Namen Jacques Piccard und Donald Walsh etwas? Eben!

Mit dem Tauchboot Trieste ließen sich Walsh und Piccard 11 Kilometer in die Tiefe schicken (Bild: Wikipedia). Dabei haben Piccard und Walsh eine ähnlich aufsehenerregende und gefährliche Fahrt unternommen wie die ersten Astronauten. Und genau wie diese haben sie damals auch Neuland betreten. Der einzige Unterschied: Piccard und Walsh sind nicht in den Weltraum aufgebrochen, sondern waren auf unserer Erde unterwegs. Mitten im Pazifik fuhren sie mit einem Tauchboot bis in die tiefsten Tiefen des Ozeans hinab – so tief wie kein Mensch vor oder nach ihnen.

Don Walsh und Jacques Piccard in der Trieste (Bild: Wikipedia/Steve Nicklas).

Es war im Jahre 1960, als die beiden abenteuerlustigen Herren sich in die Pilotenkanzel ihres Bootes „Trieste“ zwängten, um ihren Abstieg in die unbekannte Tiefsee zu beginnen. Ganze 11 Kilometer sanken sie hinab. Bis sie den Meeresboden erreichten, dauerte es sage und schreibe viereinhalb Stunden. Dabei war die Fahrt alles andere als ein Sonntagsspaziergang. Draußen war es stockfinster. An Bord sank die Temperatur von über 30 Grad an der Wasseroberfläche auf eiskalte 1,8 Grad Celsius. Aufgrund der gigantischen Wassermassen über ihnen war der Druck auf das Boot ungeheuer groß. Piccard hörte während des Abstiegs "eigentümliche prasselnde Laute, so als brate man Speck.“ Vermutlich war dies eine Folge des ungeheuren Wasserdrucks, der auf die metallische Außenhaut des Tauchbootes einwirkte.

 

Ferngesteuerte Technikwunder

Die Rekordfahrt von Piccard und Walsh war strapaziös und teuer, und sie ist bis heute nicht wiederholt worden. Wollen Forscher heutzutage die Tiefsee erkunden, müssen sich keine Menschen mehr in enge Tauchkapseln zwängen. Die Forscher schicken einfach unbemannte Gefährte auf die Reise, so genannte „ROV“. Die Abkürzung steht für „Remotely Operated Vehicles“, was auf Englisch so viel heißt wie „Ferngesteuert arbeitende Fahrzeuge“.

Das französische ROV gehört mit 4,5 Tonnen Gewicht zu den schwereren Tauchrobotern (Bild: ifremer).

Diese Tauchroboter müssen bei ihrer Arbeit im Meer ziemlich viel aushalten. Je tiefer die unbemannten Gefährte tauchen, desto mehr Wasser lastet über ihnen und drückt mit seinem Gewicht auf ihre Außenhaut, ihre Instrumente und Greifarme. Taucht ein ROV tausend Meter tief im Meer, lastet auf ihm ein Druck, der 100mal größer ist als der Luftdruck an der Erdoberfläche. Damit die Roboter unter dieser Last nicht einfach zerquetscht werden, haben sich ihre Erbauer so einiges einfallen lassen:

 

Deutscher Tauchroboter QUEST (Bild: MARUM).

Bauteile sind in sichere Gehäuse verpackt, um vom Wasser nicht zusammen gedrückt zu werden. Teilweise werden sie im Inneren mit Öl aufgefüllt, welches durch spezielle Systeme stets den gleichen Druck annimmt wie die Umgebung. Auf diese Weise sind Innen- und Außendruck immer gleich, und die Wassermassen des Ozeans können die Roboterteile nicht zerquetschen.

 

 

 

 

Nabelschnur ermöglicht Kontakt zum Mutterschiff

Auch in anderen Dingen hat sich ein bestimmtes Grunddesign bei allen ROVs durchgesetzt. Sie sind alle mehr oder weniger gleich aufgebaut: Die Tauchroboter besitzen meist eine Art metallisches Gehäuse, auf dem Antriebe, Scheinwerfer und weitere Sensoren montiert sind. Ein halbes Dutzend Propeller ermöglichen es den an der Meeresoberfläche beim Mutterschiff verbleibenden Piloten, das im Wasser wie schwerelos dahin gleitende ROV punktgenau zu manövrieren.

Cherokee an der Leine. Das im Ozeanblau verschwindende Versorgungskabel (rechts) führt geradewegs zum Forschungsschiff (Bild: MARUM).Ein drei Zentimeter dickes Versorgungskabel, welches zwischen ROV und Mutterschiff befestigt ist, sorgt für die Verbindung. Videomaterial, Messwerte und Bilder werden so aus der Tiefe an die Oberfläche gesendet. Die Forscher sehen die Tiefsee durch die Kameralinsen des Roboters und können ihm sagen, was er sich genauer ansehen soll.

Interessantes zu entdecken gibt es jedenfalls jede Menge in den Ozeanen unseres Planeten. Tauchroboter untersuchen Gasquellen am Meeresgrund oder austretendes Öl, tauchen durch lange versunkene Schiffe wie die „Titanic“ oder suchen nach neuen Lebensformen in den finsteren Tiefen der Meere. Auch handwerklich müssen sich die Roboter ab und an betätigen. So sind sie es beispielsweise, die Seekabel in den Weltmeeren verlegen, über die ihr später telefoniert oder im Internet surft.

iserundschmidt/SK