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Von Afrika in die weite Welt

Der Mensch stammt aus Afrika – davon gehen die meisten Experten heute aus. Aber wie gelangte er von dort in den Rest der Welt? Forscher glauben, dass der Urmensch einen anderen Weg nahm, als man bisher dachte.

Am Dschebel Faya, einem Berg in den Vereinigten Arabischen Emiraten, wurden die 127.000 Jahre alten Werkzeuge entdeckt (© Science).

Bislang war man davon ausgegangen, dass der Mensch auf seinem Weg von Afrika nach Asien und Europa durch Palästina gewandert ist. Palästina ist eine Region an der südöstlichen Küste des Mittelmeers.  Jetzt vermuten manche Wissenschaftler aber, dass der Mensch einen anderen Weg genommen hat. Wenn man sich eine Weltkarte anguckt, sieht man, dass Afrika und das Land Jemen vom Roten Meer voneinander getrennt sind. An einer Stelle stoßen die beiden Landmassen aber fast zusammen, dort sind ihre Küsten nur 27 Kilometer voneinander entfernt. Ist es möglich, dass unsere Vorfahren vor über 100.000 Jahren diese natürliche Grenze überwunden haben?

Die Ausgrabungsstätte am Dschebel Faya im Golfemirat Schardscha (Bild: Science)Forscher glauben, dass es tatsächlich so gewesen sein könnte. Auf der Arabischen Halbinsel, zu der auch der Jemen gehört, wurden nämlich jetzt Werkzeuge gefunden, die die Wissenschaftler zuvor auch schon auf der anderen Seite der Meerenge, also im Osten von Afrika, entdeckt hatten.  Diese Werkzeuge sind 127.000 Jahre alt und damit sogar noch 20.000 Jahre älter als die Funde, die man in Palästina gemacht hat.

Wie kam der Mensch über's Meer?

Verschiedene Werkzeuge wurden am Dschebel Faya im Golfemirat Schardscha gefunden (Bild: Science).Wenn der Mensch diesen Weg nach Asien genommen hat, stellt sich aber die Frage, wie er die Meerenge überwinden konnte. Schließlich wussten unsere Vorfahren damals noch nicht, wie man Boote baut. Für den direkten Weg nach Zentralasien mussten aber insgesamt sogar zwei Meerengen und ein sehr trockenes Hochland überwunden werden, in dem es kaum Wasser gibt. Auf der anderen Seite muss man aber auch bedenken, dass das Klima vor über 100.000 Jahren ein anderes war und auch die Meere damals nicht an allen Stellen der Erde genauso tief waren wie heute.  Deshalb haben die Wissenschaftler am Roten Meer nicht nur nach menschlichen Hinterlassenschaften gesucht, sondern auch versucht zu bestimmen, wie das Klima in dieser Region damals war.

Was man schon länger weiß: Als sich die Urmenschen von Afrika aus auf den Weg zu ihrer Weltreise machten, ging gerade eine Eiszeit zu Ende. Während einer Eiszeit ist es so kalt, dass weite Teile des Festlands von Gletschern bedeckt sind. Weil viel Meerwasser an den Polen der Erde zu Eis gefriert, sinkt während dieser Zeit der Meeresspiegel immer mehr ab. So war der Meeresspiegel des Roten Meers, das unsere Vorfahren bei ihrer Reise zu der Arabischen Halbinsel ja überqueren mussten, zu dieser Zeit wahrscheinlich etwa 100 Meter niedriger als heute. Dadurch waren die Ufer von Afrika und dem Jemen nicht 27, sondern vielleicht nur ein Kilometer voneinander entfernt. Diese kurze Distanz konnte wohl auch damals schon vom Mensch überwunden werden.

127.000 Jahre alte Faustkeile (Bild: Science)Hinter der Meeresenge befindet sich heute eine Wüste. Da es in einer Wüste kaum Wasser gibt, wäre die Reise unserer Vorfahren an dieser Stelle eigentlich schon wieder vorbei gewesen. Am Ende der Eiszeit gab es aber eine relativ kurze Zeit, in der die Meerenge des Roten Meeres noch schmal war, die lebensfeindliche Wüste sich aber durch viel Regen in eine Graslandschaft mit großen Seen und Flüssen verwandelt hatte. Genau zu dieser Zeit ist der damalige Mensch vermutlich von Ostafrika bis nach Zentralasien gewandert.

iserundschmidt/RD