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Bunte Erde

Als Dinos die Erde beherrschten

Sie gehören zu jedem guten Märchen, Fantasy-Film oder Sage: riesige Drachen und Fabelwesen, die durch die Lüfte ziehen, Feuer speien oder tapfere Helden mit ihren gewaltigen gezackten Schwänzen bedrohen. Doch sind diese Wesen tatsächlich nur reine Fantasie?

Vor 65 Millionen Jahren lebten die Dinos (Bild: Flickr).

Riesige Echsen mit Keulen an bis zu 10 Meter langen Schwänzen, von Kopf bis Schwanzspitze mit einer Rüstung aus Knochenplatten bestückt, hat es wirklich gegeben. Nur werden diese nicht Drachen, sondern „Dinosaurier“ genannt. Mittlerweile hat man über 860 verschieden Gattungen dieser Urzeittiere gefunden.Die ersten dieser Dinosaurier – der Name bedeutet so viel wie „schreckliche Echsen“ – lebten vor etwa 225 Millionen Jahren auf unserer Erde. Die letzten von ihnen starben vor 65 Millionen Jahren. Die Zeit dazwischen, in der Dinos so selbstverständlich waren wie heutige Vögel, nennt die Wissenschaft das „Erdmittelalter“. Dieses wiederum teilt sich in drei Phasen: Trias, Jura und Kreide.

Vom kleinen Hund zum wankenden Riesen


Ganz am Anfang der Trias beginnt die Geschichte der Dinos. Und dabei zeigt sich, dass jeder einmal klein anfängt. Die ersten Vorfahren der Dinos erblickten vor etwa 230 Millionen Jahren das Licht der Welt. Sie sahen aus wie kleine Hunde und waren nicht größer als ein Huhn. Ein solches Exemplar buddelten Forscher erst kürzlich in Argentinien aus und nannten es „Lagosuchus“.

Lagosuchus war so groß wie ein Huhn. Er war ein Vorläufer der Dinos (Bild: Museum König/SK).

Dass es sich bei dem Winzling tatsächlich schon um einen Dinosaurier handelt, erkannten die Wissenschaftler an der Stellung seiner Beine. Wie auch bei den späteren großen Dinos hatte der Urzeithund die Beine nicht mehr seitlich am Körper, sondern unter seinem Körper. Dies ermöglichte es dem Tierchen, gelegentlich auch auf zwei Beinen zu gehen. Dieser Gang auf zwei Beinen sollte später einmal besonders ausgeprägt bei dem berühmt-berüchtigtsten aller Dinos sein: dem fleischfressenden 14 Meter langen und 8 Tonnen schweren „Tyrannosaurus Rex“. Bis der T-Rex die Welt in Schrecken versetzte, war es jedoch noch ein weiter Weg.

Der T-Rex gehörte zu der Gruppe der Theropoden (Bild: Flickr: Scott Kinmartin).

Zunächst bildeten sich in der Trias zwei Gruppen von Dinos: Die Echsenbecken-Dinosaurier und die Vogelbecken-Dinosaurier. Das Becken der ersten Gruppe ähnelte dem der typischen Landreptilien und das der zweiten ähnelte dem der Vögel. Erstaunlicherweise sind unsere heute lebenden zarten Vögel die direkten Nachfahren der Vogelbecken-Dinos, die teilweise so groß wie Busse wurden. Klingt unwahrscheinlich, doch insbesondere an den Krallen der Vögel erkennt man heute noch die Ähnlichkeit.
Später unterteilten sich dann die Echsenbecken-Dinos in Raub-Dinosaurier (Theropoden) und Pflanzenfresser (Sauropoden). Unser kleine Urzeithund Lagosuchus gehörte wohl zur ersten Gruppe und ernährte sich, wie übrigens fast alle frühen Dinosaurier, ausschließlich von Fleisch.

Argentinosaurus gehörte zu den größten Tieren, die je auf der Erde gelebt haben (Bild: Museum König/SK).

Die Pflanzenfresser entwickelten sich erst Millionen Jahre später. Erst dann wuchsen sie zu jenen über 40 Meter langen Geschöpfen heran, die heute in Filmen wie „Jurassic Park“ die Zuschauer immer noch zum Staunen bringen. Vom Kopf bis zur Schwanzspitze würden Riesen wie der Brachiosaurus oder der Apatosaurus heute auf einem Fußballplatz locker von einem Tor bis zur Mittellinie reichen.

Wer groß werden will, muß viel essen


Doch warum wurden die Pflanzenfresser so groß und blieben nicht so klein wie der Lagosuchus?

Seitenansicht des Urzeitgiganten: Der Kopf des Argentinosaurus war allerdings relativ klein (Bild: Museum König).

Einige Experten vermuten, dass es eine Mischung aus bestimmten körperlichen Voraussetzungen waren und die Art und Weise, wie die Urzeitriesen fraßen, die sie auf enorme Größen anwachsen ließen. So hatten die Riesen auf ihren langen Hälsen keinen Platz für ein großes Hirn und einen ausgeklügelten Kauapparat. Dieser setzt aber bei Tieren normalerweise einem ungehinderten Wachstum ein Ende. Denn das Zerkleinern von Nahrung dauert bei zu großen Tieren einfach zu lange, sodass sie irgendwann ihren Nahrungsbedarf nicht mehr decken könnten. Bei den Riesen-Dinos aber fehlte der Kauapparat einfach. Damit war eine fast unbegrenzte Nahrungsaufnahme möglich, und die Dinos konnten immer weiter wachsen.

Dino verzehrt Palmfarn (Bild: Wikipedia/Jordan Mallon).

Sie grasten in Ruhe ganze Wälder ab, ohne sich großartig bewegen zu müssen. Mit ihren langen Hälsen erreichten sie selbst die höchsten Baumwipfel. Da sie nicht kauen konnten, schluckten sie die Blätter einfach im Ganzen herunter. Zersetzt und verdaut wurden sie dann durch Bakterien im Darm der Dinos. Überhaupt war ihr ganzer Körper auf Übergröße eingestellt. So hatten sie vogelähnliche Lungen und eine flexible Stoffwechselrate, die trotz der gigantischen Dimensionen die Sauerstoffversorgung sicherte. Und einen lebenswichtigen Vorteil hatten die riesigen Körpermaße von Brachiosaurus und Co. auch noch: Waren sie einmal ausgewachsen, traute sich kaum noch ein Fleischfresser an sie heran.

iserundschmidt/SK