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Bunte Erde

Ist Jurassic Park möglich?

Schnell noch die Zuckerwatte bezahlt und im Laufschritt zum Kentrosaurusgehege. Schließlich ist dieser Dino eine absolute Neuheit im Zoo. Die Fütterung der Urzeittiere, die aussehen, wie riesige Igel, sollte man sich nicht entgehen lassen. Dinoforscher Professor Dr. Jes Rust von der Universität Bonn erklärt, ob "Jurassic Park" möglich ist.

Bunte Erde: Sie sind Professor in Bonn im Bereich „Paläonthologie“. Womit beschäftigen Sie sich bei ihrer Arbeit?


Rust: Meine Arbeitsbereiche sind Fossilien und Bernstein. Ich bin zuständig für alle Fossilien, die keine Wirbel haben und eine bestimmte Größe überschreiten.


Bunte Erde: In dem Film Jurassic Park von dem Regisseur Steven Spielberg wurden Dinosaurier gezüchtet. Wie sind die Forscher dabei vorgegangen?


In einer in Bernstein eingeschlossenen Mücke erhoffen sich Forscher Genmaterial von Dinosauriern zu finden (Bild: Wikipedia/Astrum/Mirella Liszka). Rust: Bernstein und Fossilien haben für das Erwecken eines Dinos in dem Film eine entscheidende Rolle gespielt. Die Idee war eigentlich ganz einfach: Bernstein ist nichts anderes als Baumharz, der über Millionen Jahre zu Stein geworden ist. Die Forscher haben sich auf die Suche begeben und eine in einem Benstein eingeschlossene Stechmücke gefunden. Diese hatte kurz bevor sie vom Harz eingeschlossen wurde, auf einem Dinosaurier gefrühstückt, also dessen Blut getrunken. Die Forscher sind mit Hilfe einer feinen Nadel, welche sie in den Darm der Mücke stachen, an die Erbinformationen des Dinosauriers gelangt. Aus dem Erbmaterial wurde dann ein Dino rekonstruiert.


Bunte Erde: Wie alt muss den überhaupt der Bernstein sein, um an die Dino-Informationen gelangen zu können?


Rust: Die letzten Dinosaurier starben bekantlich vor rund 65 Millionen Jahren aus. Verschiedene ökologische Katastrophen trugen zu ihrem Unglück bei und ein riesiger Asteroideneinschlag in der Nähe von Mexiko gab ihnen den Rest. Es dürfte demnach nur Bernstein verwendet werden, der über 65 Millionen Jahre alt ist.

Wahrscheinlich auch in Zukunft nur eine Fotomontage: Ein entlaufener Dino findet gefallen an einem Schulbus in Florida: (Bild: iserundschmidt/SK).Bunte Erde: Gibt es denn Bernstein, welcher älter als 65 Millionen Jahre ist?

Rust: Ganz sicher. Der älteste Bernstein, in dem wir viele sehr schöne Insekten finden, ist der 130 Millionen Jahre alte libanesische Bernstein. In unserem Fall würde jedoch jüngerer kreidezeitlicher Bernstein völlig ausreichen. Den gibt es tatsächlich auch in Nord Amerika in New Jersey. Dort lebte auch der heute beliebte, damals aber sicher gefürchtete Dinosaurier T-Rex.


Bunte Erde: In dem Film Jurassic Park werden die Hauptdarsteller auch von dem aus der Kreidezeit stammenden T-Rex gejagt. Wenn kreidezeitlicher Bernstein ausreicht, um ihm Leben einzuhauchen, wieso heißt der Film dann eigentlich Jurassic Park, also „Jurapark“?


Rust: Die Bezeichnung ist eigentlich falsch.  Aus dem Jurazeitalter kennen wir keinen Bernstein, der Insekten in sich trägt. Es gibt zwar kleine Krümmelchen Baumharz aus dieser Zeit, aber eben keinen echten Bernstein. Der Film müsste eigentlich „Kreidepark“ heißen. Doch das klang den Machern wahrscheinlich zu sehr nach Schule oder Kästchenhüpfen.


Bunte Erde: Wäre das, was man in Jurassic Park sehen kann, denn tatsächlich möglich?


Bitte nicht füttern! (Bild: Museum König).Rust: Das ist sehr unwahrscheinlich. Zumindest anhand einer in Bernstein eingeschlossenen Mücke. Das Insekt müsste Millionen Jahre altes, intaktes Genmaterial eines Dinosauriers in seinem mit Blut gefüllten Darm haben. Ein mit Blut gefüllter Darm aus dieser Zeit wurde bisher noch nie gefunden. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass ein solcher Fund einmal auftaucht.

Bunte Erde: Gibt es andere Möglichkeiten, den legendären  Dinosauriern wieder Leben einzuhauchen?


Rust: Viel wahrscheinlicher wäre eine Art Rückzüchtung anhand von Vögeln, welche ja bekanntermaßen die Nachfolger der Dinosaurier sind.  Die genetische Wissenschaft ist schon sehr fortgeschritten. Mit genetischen Tricks wäre es vielleicht irgendwann möglich, die ganz ursprünglichen Merkmale von Vogelgattungen wieder herzustellen.


Bunte Erde: Mit anderen Worten: In Zukunft werden wir T-Rex nicht mehr im Museum bestaunen, sondern im Kölner Zoo?


Rust: Einen T-Rex sicher nicht, aber einen sehr ungewöhnlichen Vogel. Mit viel Phantasie wird man ihn in der Tat für einen kleinen zweifüßigen Saurier halten können.


Bunte Erde: Vielen Dank für das Gespräch.

 

iserundschmidt/SK