26. Okt. 2017

Ein frisch aus der Erde gepumpter Liter Erdöl kostet 4 Cent. An der Tankstelle muss man aber weit mehr bezahlen.

Warum ist der eigentlich billige Liter Erdöl in Deutschland um ein vielfaches teurer? Steckt Erdöl auch in Cola Flaschen und in einer Espressomaschine und wie lange wird das schwarze Gold noch aus der Erde sprudeln?

Wenn wir in den Ferien auf Reisen gehen, geben wir oft eine Menge Geld aus und unser Konto leert sich. Geht Erdöl auf Reisen, passiert das Gegenteil: Ein Liter Erdöl kostet anfangs, wenn er etwa in Kuwait unter der Erde liegt, rund 4 Cent. Über verschiedene Stationen gelangt er bei uns an die Tankstelle – und kostet dort  1,45 Euro. Der Grund für diese unglaubliche Preissteigerung liegt darin, dass alle etwas am Öl verdienen wollen: Der 4 Cent teure Liter Öl wird zunächst von den Kuwaitis für weitere 39 Cent aus der Erde gepumpt. Anschließend wird der Liter für weitere 2 Cent zum Meer transportiert. Der mittlerweile 45 Cent teure Liter Öl muss in Rotterdam am Hafen gelagert werden. Das kostet einen weiteren Cent. Nun wird das Öl für 19 Cent in einer sogenannten Raffinerie zu einem hochwertigeren Produkt umgewandelt, damit es wirksam in unseren Autos verbrennt. Weitere Verarbeitungsgebühren und staatliche Besteuerung lassen den Liter Öl bei uns an der Tankstelle schließlich 1,45 Euro kosten. Von der Quelle bis zur Tankestelle hat der Wert des Erdöls sich mehr als verdreißigfacht.

Wer glaubt, nur für sein Auto Erdöl zu nutzen, der irrt: Das Öl versteckt sich in vielen Alltagsgegenständen.

Wer glaubt, nur für sein Auto Erdöl zu nutzen, der irrt: Das Öl versteckt sich in vielen Alltagsgegenständen.

Bild: iserundschmidt/SK
Vaseline ist ein salbenartiges Gemisch aus Erdöl, das ihr in jeder Apotheke und Drogerie findet.

Vaseline ist ein salbenartiges Gemisch aus Erdöl, das ihr in jeder Apotheke und Drogerie findet.

Bild: Kiyok/CC BY-SA 3.0
Auch auf hoher See wird heute noch Öl gebohrt.

Auch auf hoher See wird heute noch Öl gebohrt.

Bild: ENERGY.GOV/CC0
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Wer glaubt, nur für sein Auto Erdöl zu nutzen, der irrt: Das Öl versteckt sich in vielen Alltagsgegenständen.

Bild: iserundschmidt/SK

Vaseline ist ein salbenartiges Gemisch aus Erdöl, das ihr in jeder Apotheke und Drogerie findet.

Bild: Kiyok/CC BY-SA 3.0

Auch auf hoher See wird heute noch Öl gebohrt.

Bild: ENERGY.GOV/CC0

Das allgegenwärtige schwarze Gold

Wer denkt, wir brauchen Öl nur in Heizungen und Autotanks, irrt sich. Das "schwarze Gold" steckt auch in Medikamenten, Plastikprodukten, CDs, Strumpfhosen und sogar in Wurstpellen. Um diese Gegenstände  herstellen zu können, muß das Erdöl in einer sogenannten petrochemischen Anlage umgewandelt werden. Weil die meisten Erdölreserven in absehbarer Zeit aufgebraucht sein werden, machen sich die Menschen Gedanken, wie in Zukunft Plastiktüten, Fernseher, Computertastaturen, Brillen, Tennisschläger, Motorradhelme, Colaflachen und Esspressomaschienen ohne Öl hergestellt werden können. Neuerdings kann man auch Plastiktüten und Zahnbürsten aus Bioplastik im Laden kaufen. Bioplastik wird nicht aus Öl, sondern aus Kartoffelzucker oder Mais hergestellt. Bioplastikprodukte sind in der Herstellung jedoch teurer und wesentlich instabiler als Produkte aus Öl.

Dass Erdöl auch bei der Herstellung von Medikamenten benutzt wird, ist keine Entdeckung der modernen Industrie, sondern ist schon seit 4000 Jahren so. Bereits im alten Ägypten wurden aus Erdöl Heilmittel und Kosmetika hergestellt. Die heilende Wirkung beruht unter anderem auf seinem hohen Schwefelgehalt. Zur Konservierung von Mumien wurden in Ägypten deshalb auch Bitumen und Erdöl benutzt. Später zerkleinerten arabische Ärzte die Mumien und verkauften sie gewinnbringend als medizinisches Produkt mit heilender Kraft. So kam es zu einem schwungvollen Handel mit Mumien.

"Peak Oil" - alles ist endlich

Die größten Ölfelder der Welt in Saudi Arabien, Kuwait, Iran, Irak und Russland werden schon seit vielen Jahren vom Menschen angezapft. Man kann auch nicht darauf vertrauen, dass noch einmal große neue Erdölfelder entdeckt werden. Deshalb wird die weltweit aus dem Untergrund gepumpte Menge Öl nach Ansicht vieler Fachleute in wenigen Jahren ihren Höhepunkt erreicht haben. Der Zeitpunkt, an dem die höchste Ölfördermenge erreicht wird, nennt man auch "Peak-Oil". Danach wird nie wieder so viel Öl gefördert werden wie zuvor. Dass dieser Punkt bald erreicht ist, kann man auch am Ölpreis ablesen: Außer während der globalen Wirtschaftskrise ist er in den letzten Jahren immer weiter gestiegen.