27. Okt. 2017

Die Kontinentalplatten driften viel zu langsam, um darauf surfen zu können.

Unglaublich, aber wahr: Der Erdboden, auf dem wir laufen, herumstehen und hüpfen, ist in ständiger Bewegung. Von uns unbemerkt, treibt er wie ein Floß zäh auf einer Art Schmiermittel umher.

Der Grund dafür ist der spezielle Aufbau unserer Erde. Ihre äußerste Schale, die Erdkruste, besteht aus sieben riesigen und zahlreichen kleineren Platten, die auseinander driften, aneinander vorbeigleiten oder aufeinander zuprallen. Mit einem ungeheuren Gewicht lasten die rund 100 Kilometer mächtigen Platten auf einer verformbaren Schicht im oberen Erdmantel – das oben erwähnte Schmiermittel. Auf ihm können die Platten trotz ihrer Ausmaße langsam hinweg gleiten.

Die größten der driftenden Platten sind die sieben Kontinente Antarktis, Nordamerika, Südamerika, Europa, Asien, Afrika und Australien. Entfernen sich die Platten durch ihre Driftbewegung, entfernen sich auch die Kontinente voneinander. So wächst der Atlantische Ozean dadurch, dass sich Amerika und Europa in verschiedene Richtungen bewegen. Dabei brauchen wir jedoch keine Angst zu haben, in Zukunft sehr viel mehr für einen Transatlantikflug zu bezahlen oder aufgrund des driftenden Bodens das Gleichgewicht zu verlieren: Die Erdplatten bewegen sich extrem langsam, so langsam wie eure Fingernägel im Jahr wachsen.

Die Bewegung der tektonischen Platten ist in dieser Karte durch Pfeile sichtbar gemacht.
Bild: NASA/JPL
Die sieben Kontinente in Farbe dargestellt.
Bild: AlexCovarrubias/CC0
Die Erde vor und nach dem Auseinanderbrechen des Superkontinents.
Bild: CC0
Weltkrustenalter: Die roten, relativ jungen Bereiche markieren jene Spalten, an denen sich ständig neue Kruste an die Oberfläche schiebt - und dadurch auch die Kontinente vorantreibt.
Bild: NOAA
Pangäa: der letzte globale Superkontinent der Erde.
Bild: Kieff/TomCatX/CC BY-SA 3.0

Tausende Kilometer entfernte Küstenstreifen sehen sich ähnlich

Dass sich die Erdplatten überhaupt bewegen und sich damit auch das Gesicht der Erde über Jahrtausende verändert, erkannten zum ersten Mal der amerikanische Geologe Frank Bursley Taylor und der deutsche Forscher Alfred Wegener. Vor etwa 100 Jahren fiel den beiden, unabhängig voneinander, auf, dass sich die Küsten der beiden Kontinente Südamerika und Afrika auffallend ähnlich sehen. Beiden war klar, dass das kein Zufall war, und so suchten sie nach einer möglichen Erklärung.

Flutwellen, das Anschwellen des Erdballs – viele Theorien geisterten zu dieser Auffälligkeit durch die Fachwelt, welche sich schließlich auch mit dem Thema beschäftigte. Aber erst Alfred Wegener vermutete, dass ein stetes Wegdriften der beiden Kontinente aus einer einstmals zusammenhängenden Landmasse im Laufe einer sehr langen Zeit zwei Kontinente erschaffen hatte. Er identifizierte sogar den in den Tiefen des Atlantiks liegenden Mittelatlantischen Rücken als Sollbruchstelle, von der aus Afrika und Südamerika seiner Meinung nach in verschiedene Richtungen "weggerutscht" waren. Die Idee des sogenannten "Kontinentaldrifts" war geboren.

Taylor und Wegener wären vielleicht noch viel früher auf die richtige Antwort gekommen, hätten sie sich die unter Wasser liegenden Teile der Küsten, die sogenannten Schelfränder, genauer angeschaut. Diese sind sich nämlich sogar noch ähnlicher als die Küstenlinie über Wasser.

Der Superkontinent Pangäa

Die Verschiebung der verschiedenen Erdteile wird heute auch Plattentektonik genannt. Durch sie ist das Gesicht der Erde, die Lage der Kontinente, die Größe der Meere in ständigem Wandel begriffen. So sah die Erde in ihrer Kindheit noch ganz anders aus als heute. Vor etwa 250 Millionen Jahren beispielsweise, noch bevor die Dinosaurier lebten, waren alle heutigen Kontinente in einem einzigen Superkontinent vereint. Den Rest der Erdoberfläche bildete ein gewaltiger Ozean. Alfred Wegener nannte diese gigantische zusammenhängende Landmasse, die sich vom Nord- bis zum Südpol erstreckte, Pangäa. Viele Millionen Jahre hielt sie zusammen, dann überwiegten die Kräfte der Plattentektonik. Vor rund 145 Millionen Jahren brach der Kontinent auseinander, und die einzelnen Erdplatten machten sich auf den Weg zu ihren heutigen Positionen.

Wenn unsere Erde von Zeitalter zu Zeitalter ihr Gesicht verändert, stellt sich die Frage, wie unser Planet in Zukunft aussehen wird. Die heutige Lage der Kontinente ist nämlich keinesfalls fest, sondern nur eine Momentaufnahme. Sicher ist: Der Atlantik wird weiter wachsen, die Kluft zwischen Europa und Nordamerika größer. Andere Entfernungen schrumpfen. Dadurch dass die afrikanische Platte auf die europäische zusteuert, werden irgendwann Europa und Afrika einen einzigen Kontinent bilden. Das Mittelmeer wird dabei völlig verschwinden. Bis dahin können wir allerdings noch etliche Male zum Tauchen an die Adria fahren. Geologen schätzen, dass es das Mittelmeer mindestens noch einige Millionen Jahre geben wird.