17. Apr. 2020
BGR-Präsident Prof. Dr. Ralph Watzel.

BGR-Präsident Prof. Dr. Ralph Watzel.

Ralph Watzel studierte an der Universität Heidelberg Geologie und an der Universität (TH) Karlsruhe Angewandte Geologie und Geophysik. Er promovierte an der Universität Freiburg, wo er seit 2000 auch einen Lehrauftrag wahrnimmt und absolvierte an der Universität St. Gallen eine Management-Ausbildung. Nach über 10-jähriger Praxis als Hydrogeologe war er von 2001 bis 2006 als Referent für Nachhaltiges Wirtschaften im Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg und von 2006 bis 2016 als Leiter des Landesamts für Geologie, Rohstoffe und Bergbau dieses Bundeslandes tätig. Seit 2016 leitet Ralph Watzel als Präsident die Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) in Hannover.

Was ist der Gegenstand ihrer Forschung?
Als Präsident der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) bin ich in erster Linie Wissenschaftsmanager. In dieser Funktion ist es meine Aufgabe, sowohl die geowissenschaftliche und rohstoffwirtschaftliche Beratung für Bundesregierung, Wirtschaft und Gesellschaft, als auch die wissenschaftliche Ausrichtung unserer Ressortforschungseinrichtung zu steuern. Die Forschungsarbeiten der BGR erstrecken sich über eine große Bandbreite geowissenschaftlicher Themenfelder: mineralische Rohstoffe, Energierohstoffe, Grundwasser, Boden, Endlagerung radioaktiver Abfälle, Nutzung des tieferen Untergrundes, Überwachung des Kernwaffenteststopps und Geogefahren. Dazu kommen Aufgaben in der internationalen geowissenschaftlichen Zusammenarbeit, insbesondere in der Technischen Zusammenarbeit. Die BGR verfügt über modernste Labore, hochspezialisierte Methoden, einen beispiellose Daten- und Wissensbestand und führt internationale geowissenschaftliche marine Expeditionen und Polarexpeditionen durch. Damit können wir auch eine Vielzahl themenübergreifender Querschnittsaufgaben erfüllen. Die BGR stellt wissensbasierte Informationen für einen nachhaltigen Umgang mit den Geo-Ressourcen der Erde zur Verfügung. Eine verantwortungsvolle und herausfordernde Aufgabe, die mir leider nicht allzu viel Zeit für meine wissenschaftliche Arbeit als akademischer Lehrer und Forscher am Lehrstuhl für Hydrologie der Universität Freiburg i.Br. lässt.

Warum haben Sie diesen Fokus gewählt?
Als Ressortforschungseinrichtung des Bundes beschäftigen wir uns mit geowissenschaftlichen und rohstoffwirtschaftlichen Fragestellungen von hoher Relevanz. Sie bestimmen Aufgaben und Arbeit der BGR. Ziel ist es, Entscheidungsprozesse in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft zu unterstützen. Die BGR leistet zukunftsweisende Forschung und Beratung auf höchstem Niveau. Grundlage hierfür sind belastbare wissenschaftliche Daten, Informationen und Erkenntnisse. Das Leitmotiv unserer Arbeit lautet "Nachhaltigkeit, Verantwortlichkeit und Sicherheit". Als geowissenschaftliches Kompetenzzentrum des Bundes trägt die BGR mit ihrer Arbeit Verantwortung bei der Sicherung der Rohstoff- und Energieversorgung Deutschlands – sowohl für unsere, als auch für künftige Generationen. Wir unterstützen im Rahmen nationaler und internationaler Kooperationen die nachhaltige Nutzung von Grundwasser und Boden, aber auch vorsorgende Maßnahmen zum Schutz vor Geogefahren. In die Verantwortung der BGR fallen Aufgaben von hoher Sicherheitsrelevanz, beispielsweise zur Verifikation des Kernwaffenteststopps, der Endlagerung radioaktiver Abfälle oder auch in der Funktion als Erdbebendienst des Bundes.

BGR-Präsident Prof. Dr. Ralph Watzel mit dem Präsidenten des Korean Institute for Geosciences and Mineral Resources (KIGAM), Dr. Bok Chul Kim (re. im Bild), bei einer Veranstaltung im südkoreanischen Busan. Der BGR-Präsident überreicht seinem Kollegen aus Anlass des 100-jährigen Bestehens des Geologischen Dienstes von Südkorea eine Manganknolle als Geschenk. Sie stammt aus dem deutschen Lizenzgebiet im Pazifischen Ozean, in dem die BGR im Auftrag der Bundesregierung Manganknollen-Vorkommen wissenschaftlich untersucht.

Bild: BGR

BGR-Präsident Prof. Dr. Ralph Watzel mit dem Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Prof. Dieter Kempf (2.v.li.), und dem Vorsitzenden des BDI-Ausschusses Rohstoffpolitik, Hans-Joachim Welsch (li. im Bild), beim BDI-Rohstoffkongress in Berlin.

Bild: BGR

BGR-Präsident Prof. Dr. Ralph Watzel als Gastgeber der „10. Water Research Horizon Conference“ mit dem Vorsitzenden der Water Science Alliance e.V., Prof. Dr. Peter Krebs (li. im Bild), BGR-Abteilungsleiter Prof. Dr. Thomas Himmelsbach (2.v.li.), dem Vice-Chair of UN-Water, Olcay Ünver (3.v.li.), und Prof. Dr. Gernot Klepper vom Institut für Weltwirtschaft Kiel (re. im Bild).

Bild: BGR
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BGR-Präsident Prof. Dr. Ralph Watzel mit dem Präsidenten des Korean Institute for Geosciences and Mineral Resources (KIGAM), Dr. Bok Chul Kim (re. im Bild), bei einer Veranstaltung im südkoreanischen Busan. Der BGR-Präsident überreicht seinem Kollegen aus Anlass des 100-jährigen Bestehens des Geologischen Dienstes von Südkorea eine Manganknolle als Geschenk. Sie stammt aus dem deutschen Lizenzgebiet im Pazifischen Ozean, in dem die BGR im Auftrag der Bundesregierung Manganknollen-Vorkommen wissenschaftlich untersucht.

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BGR-Präsident Prof. Dr. Ralph Watzel mit dem Präsidenten des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Prof. Dieter Kempf (2.v.li.), und dem Vorsitzenden des BDI-Ausschusses Rohstoffpolitik, Hans-Joachim Welsch (li. im Bild), beim BDI-Rohstoffkongress in Berlin.

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BGR-Präsident Prof. Dr. Ralph Watzel als Gastgeber der „10. Water Research Horizon Conference“ mit dem Vorsitzenden der Water Science Alliance e.V., Prof. Dr. Peter Krebs (li. im Bild), BGR-Abteilungsleiter Prof. Dr. Thomas Himmelsbach (2.v.li.), dem Vice-Chair of UN-Water, Olcay Ünver (3.v.li.), und Prof. Dr. Gernot Klepper vom Institut für Weltwirtschaft Kiel (re. im Bild).

Bild: BGR

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Als Präsident der BGR bin ich zunächst Leiter einer Behörde. In dieser Funktion sind regelmäßige Abstimmungsgespräche mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in den wissenschaftlichen Fachabteilungen und der Verwaltung unerlässlich. Gleichzeitig habe ich als oberster Repräsentant einer Ressortforschungseinrichtung zahlreiche nationale und internationale Aufgaben und Verpflichtungen zu erfüllen. Ich stehe in ständigem Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft, den Fachbehörden, unseren Forschungspartnern und anderen gesellschaftlichen Gruppen. Die unterschiedlichen Prozesse zielgerichtet zu steuern, erfordert ein straffes Zeitmanagement, das leider manchmal auch an seine Grenzen stößt. Doch das direkte Gespräch mit den Menschen, der persönliche Kontakt sind mir sehr wichtig, um zentrale Fragestellungen zu klären, unterschiedliche Interessen einschätzen und die richtigen Entscheidungen treffen zu können.

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Die BGR arbeitet an wichtigen Zukunftsthemen. Eine stetig wachsende Weltbevölkerung, die weltweit zu beobachtende Urbanisierung, globalisierte Wirtschaftskreisläufe verbunden mit einer teilweise sehr dynamischen Wirtschaftsentwicklung insbesondere in den Schwellenländern sowie die Auswirkungen des Klimawandels und die Migration erhöhen den Nutzungsdruck auf die natürlichen Ressourcen der Erde. Aufgabe der Geowissenschaften ist es, mit Blick auf die Sicherung der Lebensgrundlagen und des Wohlstands für die Themen Wasser, Nahrung, Energie und Rohstoffe geeignete Monitoring-Technologien zu entwickeln, den Verantwortlichen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft aussagekräftige Prognose-Techniken und Handlungsoptionen an die Hand zu geben. Dies ist eine ungemein verantwortungsvolle Aufgabe nicht nur für die Geowissenschaften, sondern für uns alle.

In welche Richtung würden Sie Ihre Forschung zukünftig gerne vertiefen?
Die BGR hat sich für die kommenden Jahre eine Handlungsstrategie gegeben, mit der wir den drängenden Zukunftsaufgaben gerecht werden wollen. Ziel ist es, die BGR als Ressortforschungseinrichtung wissenschaftlich-technisch noch besser aufzustellen, um angesichts neuer globaler Herausforderungen relevante Themen und Forschungsfelder auch weiterhin identifizieren und zukunftsweisende Initiativen anstoßen zu können. Insgesamt geht es darum, die Bedeutung geowissenschaftlicher Themen zu schärfen und noch sichtbarer zu machen. Wir müssen uns dieser Aufgabe stellen und ich bin sicher, dass wir an den Herausforderungen auch wachsen werden.