18. Jan. 2019
Geteilte Faszination: Anja Engel und Kollegin Dr. Judith Piontek im Labor.

Geteilte Faszination: Anja Engel und Kollegin Dr. Judith Piontek im Labor.

Prof. Dr. Anja Engel ist Professorin für Biologische Ozeano­graphie an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel und arbeitet am GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel. Sie entschlüsselt das System Ozean durch seine kleinsten Bewohner.

Was ist der Gegenstand Ihrer Forschung?
Zusammen mit meiner Arbeitsgruppe untersuche ich, wie Mikroorganismen die Stoffkreisläufe im Meer beeinflussen und welchen Einfluss Umweltveränderungen, insbesondere der Klimawandel und Eutrophierung, auf diese Prozesse haben. Marine Mikroorganismen sind die Hauptproduzenten und Konsumenten von organischer Materie im Ozean, sie stehen an der Basis des Nahrungsnetzes und beeinflussen die Aufnahme und Freisetzung von klimarelevanten Gasen wie CO2. Für mich sind mikrobielle Prozesse daher der Schlüssel zu einem besseren Verständnis des Systems Ozean.

Warum haben Sie diesen Fokus gewählt?
Es fasziniert mich zu sehen, wie globale Prozesse von Organismen gesteuert werden, die für unser Auge weitgehend unsichtbar sind. Die Interaktionen zwischen Mikro- und Makrokosmos erfolgen dabei über eine Vielzahl von komplexen biologischen, chemischen und physikalischen Prozessen, bei denen es noch eine Menge zu entdecken gibt.  

Die Zukunft unserer Meere zu verbessern ist die Arbeit und die Leidenschaft der gebürtigen Kielerin Anja Engel.

Die Zukunft unserer Meere zu verbessern ist die Arbeit und die Leidenschaft der gebürtigen Kielerin Anja Engel.

Bild: Stefan Kolbe/CAU Kiel
1 / 1

Die Zukunft unserer Meere zu verbessern ist die Arbeit und die Leidenschaft der gebürtigen Kielerin Anja Engel.

Bild: Stefan Kolbe/CAU Kiel

Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?
Glücklicherweise sind "typische Arbeitstage" eher selten, da mein Beruf sehr vielfältig ist. Viel Zeit verbringe ich jedoch am Computer, in Gesprächen mit Kollegen und Studenten, in Sitzungen oder auf Reisen.  

Was fasziniert Sie am meisten an Ihrer Arbeit?
Neues zu entdecken, Zusammenhänge besser zu verstehen und den eigenen Horizont ständig zu erweitern. Besonders schön ist es zu sehen, wenn die Faszination Meeresforschung von Studenten und Doktoranden  geteilt wird.

In welche Richtung würden Sie Ihre Forschung zukünftig gerne vertiefen?
Prozesse im Ozean besser zu verstehen und Neues zu entdecken motivieren meine Forschung. Darüber hinaus möchte ich dieses Wissen nutzen, um Lösungswege für problematische Veränderungen in den Meeren zu finden. Viele marine Ökosysteme haben sich unter dem Druck klimatischer Veränderungen und regionaler Stressoren wie Eutrophierung, Verschmutzung und kommerzielle Nutzung negativ verändert. Wie können wir zur Erholung dieser Ökosysteme beitragen? Reicht es Ursachen zu bekämpfen oder sollten wir darüber hinaus aktiv eine Renaturierung von Meeresgebieten beitreiben? Welche Lösungsansätze sind sinnvoll? Diese Fragen sind für das Meer, in dem es kaum Grenzen gibt, sehr viel schwieriger zu beantworten als für das Land.