02. Jun. 2020
Bohrkerne der IODP-Expedition 364 in den Chicxulub-Krater bei der ersten Begutachtung am Bremer MARUM

Bohrkerne der IODP-Expedition 364 in den Chicxulub-Krater bei der ersten Begutachtung am Bremer MARUM

Vor 65 Millionen Jahren traf ein riesiger Asteroid die Erde und beendete nach derzeitigem, allerdings nicht unumstrittenem Stand der Forschung die Herrschaft der Dinosaurier. 2016 bohrte ein großes internationales Team im Rahmen des Internationalen Tiefseebohrprogramms IODP in den Chicxulub-Krater vor der Küste Yucatáns in Mexiko. Seither laufen die Bearbeitungen der Bohrkerne. In "Science Advances" und "Nature Communications" berichteten Expeditionsteilnehmer jetzt über den Einschlag.

Die Dinosaurier und ihre Zeitgenossen hatten in gleich mehrerer Hinsicht Pech: Der Asteroid, der ihrem Zeitalter offenbar doch ein Ende setzte, traf in einem ungünstigen Winkel von 60 Grad auf die Oberfläche eines flachen tropischen Meeres und er traf in ein Gebiet mit großen Gipsvorkommen. "Mit dem 60-Grad-Winkel haben wir gleich zwei Effekte: einmal ein sehr, sehr großmaßstäbliches Aufschmelzen und Verdampfen der Erdkruste und durch die Schiefe auch ein sehr aktives Herausschleudern von Material in die Erdatmosphäre", erklärt der Geologe Ullrich Riller von der Universität Hamburg.

So könnte sich der Einschlag im Chicxulub-Krater abgespielt haben.

So könnte sich der Einschlag im Chicxulub-Krater abgespielt haben.

Bild: NASA (CC0)
Das amerikanische Hubschiff

Das amerikanische Hubschiff "Myrtle", mit dem 2016 Kerne im Chicxulub-Einschlagskrater erbohrt wurden.

Bild: Pérez-Cruz@ECORD_IODP
Ullrich Riller, Uni Hamburg, begutachtet auf der Science Party des IODP-Projektes 364 in Bremen, einen Bohrkern.

Ullrich Riller, Uni Hamburg, begutachtet auf der Science Party des IODP-Projektes 364 in Bremen, einen Bohrkern.

Bild: UPrange@ECORD_IODP
Bohrkern aus dem Chicxulub-Krater

Bohrkern aus dem Chicxulub-Krater

Bild: ARae@ECORD
Abend an Bord des Hubschiffs

Abend an Bord des Hubschiffs "Myrtle" vor der mexikanischen Halbinsel Yucatán.

Bild: ELeBer@ECORD_IODP
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So könnte sich der Einschlag im Chicxulub-Krater abgespielt haben.

Bild: NASA

Das amerikanische Hubschiff "Myrtle", mit dem 2016 Kerne im Chicxulub-Einschlagskrater erbohrt wurden.

Bild: Pérez-Cruz@ECORD_IODP

Ullrich Riller, Uni Hamburg, begutachtet auf der Science Party des IODP-Projektes 364 in Bremen, einen Bohrkern.

Bild: UPrange@ECORD_IODP

Bohrkern aus dem Chicxulub-Krater

Bild: ARae@ECORD

Abend an Bord des Hubschiffs "Myrtle" vor der mexikanischen Halbinsel Yucatán.

Bild: ELeBer@ECORD_IODP

Verdampft und weiträumig verteilt wurde zudem das Sulfatmineral Gips, und so gelangten nicht nur viel Wasser und Staub bis in die Stratosphäre, das zweite Atmosphärenstockwerk, sondern auch große Mengen von Schwefelgasen. Schwefelaerosole aber wirken dort ausgesprochen effektiv als Sonnenschirm. Die Folge: Die Temperaturen stürzten weltweit nach dem Einschlag ab, und dieser Einschlagswinter sollte Jahre dauern.

Am Einschlagsort entstand ein gigantisches Hydrothermalsystem. Vom Impakt blieb im Untergrund eine etwa drei Kilometer mächtige Magmablase zurück, die Grundwasser bis zum Verdampfen aufheizen konnte. Das Grundwasser zirkulierte dann über Risse, Spalten und Porenräume in dem durch den Einschlag vollkommen zerrütteten Untergrund. Dieses Hydrothermalsystem füllte den gesamten Krater, und war mit etwa 180 Kilometer fast zehnmal größer als das Hydrothermalsystem, das heutzutage die vielfältigen Geysire im rund 9000 Quadratkilometer großen Yellowstone Nationalpark der USA antreibt. "Es dauerte wahrscheinlich zwei, vielleicht drei Millionen Jahre, ehe das Magma und damit dieses gesamte System wieder abgekühlt war", berichtet David Kring vom Lunar and Planetary Institute in Houston.

Die Bedingungen am Einschlagsort müssen so gewesen sein wie in der Frühzeit der Erde, als während des "Großen Kosmischen Bombardements" ein Regen von Meteoriten und Asteroiden die Erdoberfläche aufgeheizt hatten. Für den Geologen stellt der Chixculub-Krater damit eine interessante Analogie zu den Umständen in der planetaren Frühzeit dar. An seinen noch erhaltenen Überresten könne man ablesen, wie sich das Leben möglicherweise auf der jungen Erde etabliert habe. "Die Erdkruste war durch den Einschlag vollständig zertrümmert worden, und die Spalten, Risse und Porenräumen sind perfekte Lebensräume für mikrobielles Leben. Es ist möglich, dass das Leben vor mehr als 3,8 Milliarden Jahren in solchen durch einen Aufprall entstandenen Hydrothermalsystemen entstanden ist oder darin das Bombardement überstanden hat. Das Leben auf der Erde könnte aus einem solchem hydrothermalen System stammen."