30. Jan. 2019
Tom Higham, Universität Oxford, und Natalia Belousova, Russische Akademie der Wissenschaften, bei der Probennahme in der Denisova-Höhle in Südsibirien.

Tom Higham, Universität Oxford, und Natalia Belousova, Russische Akademie der Wissenschaften, bei der Probennahme in der Denisova-Höhle in Südsibirien.

Neben modernen Menschen und Neandertalern hat in Eurasien eine dritte Menschenart gelebt, deren genetisches Erbe in den heutigen Bewohnern Europas, Asiens und Australiens nachweisbar ist. Viel mehr ist über die Denisova-Menschen allerdings nicht bekannt, denn gefunden wurden von ihnen nur winzige Fossilien. In der aktuellen "Nature" präsentieren zwei voneinander unabhängige Arbeitsgruppen jetzt eine aktuelle Chronologie der archaischen Menschenart.

Nach wie vor ist die Denisova-Höhle im südsibirischen Altaigebirge die einzige Fundstelle von Fossilien der gleichnamigen Schwesterart des archaischen Neandertalers. Nur vier winzige Fossilien sind bisher eindeutig den Denisova-Menschen zugeordnet worden, ein fünftes gehört zu einem Mädchen, dessen Vater Denisovaner, dessen Mutter jedoch Neandertalerin war. Die rätselhafte Menschenart ist daher vor allem genetisch fassbar. Über ihr Aussehen, ihre Verbreitung und Kultur kann dagegen nur spekuliert werden. In der aktuellen "Nature" haben zwei Forschergruppen jetzt den Zeitraum, in dem die archaische Menschenart aus Südsibirien bezeugt ist, neu vermessen.

Ein jungsteinzeitliches Schmuckstück aus der Denisova-Höhle wird für die Radioarbondatierung beprobt.

Ein jungsteinzeitliches Schmuckstück aus der Denisova-Höhle wird für die Radioarbondatierung beprobt.

Bild: Nature/Tom Higham, Uni Oxford
Die Denisova-Höhle im russischen Teil des Altai-Gebirges.

Die Denisova-Höhle im russischen Teil des Altai-Gebirges.

Bild: Nature/Bert Roberts/Uni Wollongong
Artefakte aus der frühen Jungsteinzeit der Denisova-Höhle. Sie wurden zur Radiocarbondatierung der jüngsten Schichten benutzt.

Artefakte aus der frühen Jungsteinzeit der Denisova-Höhle. Sie wurden zur Radiocarbondatierung der jüngsten Schichten benutzt.

Bild: Nature/Katerian Douka, MPI SHH
Blick von der Denisova-Höhle ins Altai-Gebirge in Südsibirien.

Blick von der Denisova-Höhle ins Altai-Gebirge in Südsibirien.

Bild: MPI EVA
Laser zur optischen Datierung an der Universität Wollongong.

Laser zur optischen Datierung an der Universität Wollongong.

Bild: Nature/Erich Fisher
1 / 5

Ein jungsteinzeitliches Schmuckstück aus der Denisova-Höhle wird für die Radioarbondatierung beprobt.

Bild: Nature/Tom Higham, Uni Oxford

Die Denisova-Höhle im russischen Teil des Altai-Gebirges.

Bild: Nature/Bert Roberts/Uni Wollongong

Artefakte aus der frühen Jungsteinzeit der Denisova-Höhle. Sie wurden zur Radiocarbondatierung der jüngsten Schichten benutzt.

Bild: Nature/Katerian Douka, MPI SHH

Blick von der Denisova-Höhle ins Altai-Gebirge in Südsibirien.

Bild: MPI EVA

Laser zur optischen Datierung an der Universität Wollongong.

Bild: Nature/Erich Fisher

Eine australisch-russische Arbeitsgruppe um Zenobia Jacobs von der Universität Wollongong hat insgesamt 103 Bodenproben aus den Ablagerungsschichten der Höhle datiert. Die Schichten, in denen archäologische Überreste von Menschen nachgewiesen wurden, umspannen einen Zeitraum von rund 330.000 bis 20.000 Jahren vor heute. Spuren der Denisovaner reichen von 330.000 bis rund 55.000 vor heute, vielleicht sogar noch 10.000 Jahre weiter. Die Neandertaler lassen sich nur in Schichten nachweisen, die zwischen 193.000 und 97.000 Jahren alt sind. Zeugnisse moderner Menschen hat man in der Höhle noch nicht gefunden.

Ein internationales Team um Katerina Douka vom Jenaer Max-Planck-Institut für Menschheitsgeschichte hat dagegen die verfügbaren Fossilien aus der Höhle datiert und so eine direkte Chronologie der bekannten menschlichen Bewohner aufgestellt. Sie stimmt grob mit der Ablagerungszeitreihe überein, zeigt aber in Einzelfällen gravierende Abweichungen. Danach kommen die frühesten Denisovaner-Fossilien auf ein Alter von 195.000 Jahren, die spätesten auf mindestens 52.000 Jahre. Bei den Neandertalern beträgt der Zeitraum 140.000 und 80.000 Jahre.

Die Abweichungen sind besonders krass im Fall des ältesten Fossils, Denisova-2, das in Schichten eines Alters von mindestens 287.000 Jahren gefunden wurde, von Douka und ihren Kollegen aber auf nur 195.000 Jahre datiert wurde. Die Diskrepanz, schreibt der britische Paläoanthropologe Robin Dennell in einem Kommentar, sei vielleicht darauf zurückzuführen, dass die Fossilien in einer älteren Schicht gefunden wurden, in der sie erst nachträglich abgelagert wurden. Alternativ könne sie auch auf Unsicherheiten der Datiermethode zurückzuführen sein, die Douka und ihre Mitarbeiter gewählt haben. Mangels einer passenden physikalischen Methode haben sie nämlich die Fossilien vor allem genetisch datiert, sie haben also die Unterschiede zwischen den sequenzierten Genomen zur Grundlage einer relativen Chronologie gemacht. Die Methode steht und fällt jedoch mit der Geschwindigkeit, mit der die genetischen Unterschiede produziert werden. Allerdings sei, so Dennell, das große Bild jetzt ziemlich klar.